Kartoffel-Marktsprech
Eine gewisse Erfahrung, fast möchte ich sagen: Vertrautheit mit dem Wochenmarkteinkauf habe ich ja mit den Jahren gewonnen, meine ich. Von Kartoffeln weiß ich zum Beispiel, daß man heute nicht mehr zwischen festen und mehligen unterscheidet, sondern zwischen „festkochenden“ und „vorwiegend festkochenden“, und wenn Kartoffeln doch mal „mehlig“ sind, handelt es sich um Kartoffelmehl.
„Von den Vorwiegendfestkochenden!“, begegnete ich also neulich wortgewandt und schlagfertig jenem besonderen Blick meines Stammverkäufers, der den erfahreneren unter seinen Kunden zu verstehen gibt: Du bist dran, ich warte auf meinen Einsatz. Daß ich Kartoffeln wünschte, das hatten wir zuvor schon geklärt, ich war daher auf keine weiteren Komplikationen gefaßt. Aber ach!
„Von den Vorwiegendfestkochenden die mehligeren oder die weniger mehligen?“
Erwischt, die Spielregel war mir neu. Stammelnd konnte ich nur erwidern, daß mir Jenes egal sei und daß ich den Unterschied gar nicht wisse zwischen mehligeren und weniger mehligen vorwiegend festkochenden Erdäpfeln, während ich peinlich berührt zwischen den beiden bräunlichen Haufen hin- und herblickte, die mir geduldig bedeutet wurden. Ein Zustand, der – ein Glück! – nicht lange währte, denn in der unterschiedlichen Knollengröße der beiden Kartoffelsorten bot sich bald ein erstklassiger (wenngleich auch der erste beste) Grund, der einen vor der anderen den Vorzug zu geben. Dies tat ich, packte ein, zahlte und stahl mich nach hause wie ein einttarnter Spion, den niemand ernst nimmt.
Dabei schäle ich Kartoffeln überhaupt nicht.