Fortschritt über die Klippe des Gemüsebeets
Den Marktschreiern der alten Tage weine ich, soweit es jedenfalls die Wochenmärkte meines eigenen Einkaufens betrifft, keine Träne nach. Wie schön ist es doch, ruhig von Stand zu stand zu schreiten und besonnen die Produkte zu vergleichen, in zivilisiertem Ton den Verkäufern – „Ihnen auch!" – ein schönes Wochenende zu wünschen, nachdem man ohne Hektik und mit freundlichem Lächeln über die saisonal empfehlenswerten Gemüse beraten worden ist. Ein Hoch also dem Einzug der modernen Gesittung auf die Marktplätze!
Es geschieht aber zuweilen, daß einem die Zivilisation aus der Marktsprache jäh und mit solcher Gewalt entgegenschlägt, daß man das gute alte Geschrei vorziehen möchte. So vor acht Tagen: Der mittelalte, ohrberingte Verkäufer meines Lieblingsstandes war, nachdem ich meine Einkaufsliste im wesentlichen abgetragen hatte, gerade in die Phase des Mir-die-Angebote-des-Tages-Empfehlens eingetreten; konnte mich jedoch von nichts so recht überzeugen, sodaß ich nach „Wir haben heute auch ganz frischen Blumenkohl!“ gerade zu einem einkaufbeschließenden Wort ansetzen wollte.
Doch da fiel der Hammer: „Die sind diesmal besonders klein, auch ideal für Single-Haushalte!“
Ich war absolut baff, erwarb widerstandslos einen größeren Singlehaushaltblumenkohl und ging den Weg durch die Stadt bis zum heimischen Vorratsschrank wie im Traum. Blumenkohl für Single-Haushalte? Kommt als nächstes der Kürbis für Untermieter? Wieso nicht auch Lauchzwiebeln für Wenigtelephonierer? Pastinaken für Mützenträger!
Eitel alle Einfachheit auf Erden.