22. 10. 2007, 10.57 Uhr

Worte ohne Lieder

Von den Lieblingswort-Artikeln im Texttheater angeregt, präsentiere ich heute vier zusammengesetzte Nomina und einen zweiteiligen Namen von ganz eigenartiger Klanghaftigkeit. Ihnen allen liegt – nach meinem Empfinden – das gleiche Prinzip zugrunde wie folgendem Musterbeispiel aus Gisbert Haefs’ Krimi „Mörder und Marder“:

„Wisent-Leasing“

Ein seltsam Wort, ja, aber im Romankontext hat es durchaus seinen Sinn. Gleichviel: Sind die reimhaften und doch sublimen Gleichklänge von „Wisent“ und „Leasing“ nicht wunderschön? Beide zweisilbig und vorne betont, beider Worte erste Silben mit gleichem Vokal und gleichem Auslaut, anhebend hingegen mit stimmhaftem Konsonanten. Und selbst bei „-ent“ und „-ing“ verlockt es einen, von einem Homoioteleuton zu sprechen. Hach!

Die folgenden drei Exemplare stammen teils aus Gesprächen mit Freunden, teils von mir allein.

Eremitimitator

Fakratfrequenz

Finalfiltrat

Das zweite der drei bedarf wohl einer Erläuterung. „Fakrat“ ist eine zumindest an der Heidelberger Universität gebräuchliche Abkürzung für „Fakultätsrat“. Als ich einmal schriftlich nach den Sitzungszeiten eines solchen erkundigte, erschien mir daher „Fakratfrequenz“ eine geeignete, da griffige und schöne Betreffszeile zu sein. Was vom Empfänger bestätigt worden ist.

Wie zumeist müssen diese Kunstworte jedoch zurückstehen hinter einem Produkt lebendiger Sprachpraxis, in diesem Fall der Namensgebung der Norweger. Folgende Unterschrift nämlich las ich kürzlich in einem Hüttenbuch irgendwo in der skandinavischen Wildnis:

Thorsten Karstensen

Konkurrenzlos, oder?

Posted by Grinsekater | Permanenter Link | Kategorien: Dichtung und Blähung, Sprache, Klangdinge |